Sodbrennen kann Asthma Risiko erhöhen

Aktualisiert:

reflux-sodbrennen-asthma-frau-beschwerden-hals

Mit Reflux verbinden die meisten Menschen Beschwerden wie Sodbrennen, saures Aufstoßen und einen brennenden Schmerz im Hals. Dass durchaus ein Zusammenhang zwischen einem unbehandelten Reflux und Asthma bestehen kann, ist für die meisten wohl eher eine Überraschung. Doch wie ist es möglich, dass zwei auf den ersten Blick so unterschiedliche Krankheitsbilder zusammenhängen können?

In Kürze: Tatsächlich kann durch das Einatmen von Magensäuretröpfchen durch ein unbehandeltes Sodbrennen das Immunsystem geschwächt werden. Dadurch wird das Risiko auf eine Erkrankung von Asthmas bronchiale erhöht. 

Unsere Inhalte sind medizinisch überprüft. Unsere Autoren sind erfahrene Medizinredakteure mit entsprechenden Qualifikationen und langjähriger Erfahrung. Literatur & Quellen sind am Ende der Artikel genannt.
Übersicht:
    Add a header to begin generating the table of contents

    Was genau bedeutet Sodbrennen (Reflux)?

    Unter Sodbrennen (medizinisch: Reflux) versteht man den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre.

    Das kann passieren, wenn der Muskel zwischen Magen und Speiseröhre seiner Dichtungsfunktion nicht mehr in ausreichender Form nachkommen kann. Dabei muss jedoch nicht immer eine Erkrankung vorliegen. Einen gelegentlichen Rückfluss von Magensäure hat wahrscheinlich Jeder schon einmal erlebt, beispielsweise nach dem Konsum von fettigem Essen oder Alkohol. Treten die Symptome allerdings häufiger auf, so spricht man von einer Refluxerkrankung.

    Welche Ursachen hat eine Refluxerkrankung?

    Eine Refluxerkrankung kann vielfältige Ursachen haben.

    • Übersäuerung des Magens durch fettige Ernährung, Nikotinkonsum oder Alkohol
    • Einnahme von Medikamenten ( z.B. blutdrucksenkende Medikamente)
    • Erhöhter Druck auf den Magen durch Übergewicht
    • Hormonveränderungen während der Schwangerschaft
    • Erschlaffen des Ösophagussphinkters im Alter
    • Zwerchfellbruch
    • Organische Erkrankungen ( z.B. Diabetes)
    • Magenentleerungsstörungen
    • Stress

    Weshalb ist Sodbrennen schädlich?

    Während die Schleimhaut im Magen einen eigenen Schutzmechanismus gegen das stark saure Milieu der Magensäure besitzt, sind die darüberliegenden Schleimhäute nicht auf den Kontakt mit Magensäure vorbereitet. Hier herrscht ein wesentlich neutralerer pH-Wert, wodurch die Zellen von der Säure leichter angegriffen werden können. Kommt es regelmäßig zum Kontakt mit saurem Mageninhalt, werden diese Zellen mit der Zeit dauerhaft geschädigt.

    Dabei ist der sogenannte Stille Reflux besonders fatal. Der Rückfluss von Magensäure findet hierbei ohne die charakteristischen Symptome statt. Er bleibt deshalb lange Zeit unbemerkt und erhöht somit das Risiko für Langzeitschäden.

    Da durch die liegende Position während des Schlafens der Rückfluss erleichtert wird, tritt er vor allem nachts auf.

    Warum steigt mit Sodbrennen das Asthma Risiko?

    Wenn der saure Mageninhalt sich seinen Weg in die falsche Richtung bahnt, gelangt er nicht zwingend nur in die Speiseröhre oder den Mund. Er kann ebenso in die Luftröhre gelangen und dort die Atemwege schädigen.

    Daher gehören zu den eher unbekannteren Auswirkungen einer Refluxerkrankung auch folgende Symptome:

    • Reizhusten
    • Halsschmerzen
    • Kehlkopfentzündung
    • Heiserkeit
    • chronische Bronchitis
    • Asthma

    Ebenso wie die Schleimhäute in Speiseröhre und Mundraum, weisen die Gewebezellen der Atemwege einen eher neutralen pH-Wert auf. Das macht sie den sauren Magensäften gegenüber genauso empfindlich.

    Kommt es hier zu einer Schädigung der Atemwege, sind die Symptome jedoch meistens wesentlich präsenter und schwerwiegender als die Symptome im Verdauungstrakt.

    Was genau ist Asthma?

    Es handelt sich um eine chronische Erkrankung der Atemwege. Generell unterscheidet man dabei zwischen allergischem und nicht-allergischem Asthma. Eine allergische Asthmaerkrankung tritt, wie der Name es vermuten lässt, durch den Kontakt zu bestimmten allergenen Stoffen auf. Die nicht-allergische Variante entsteht meistens durch eine autoimmune Entzündungsreaktion in den unteren Atemwegen.

    Die charakteristischen Beschwerden sind:

    • Atemnot & Kurzatmigkeit
    • Husten & Pfeifgeräusche beim Ein- und Ausatmen
    • Engegefühl in der Brust
    • schubweise auftretende akute Asthmaanfälle

    Die Auswirkungen von Sodbrennen

    Ist Sodbrennen der Auslöser für die ständige Reizung der Atemwege, so entwickeln sich auf Dauer, ebenso wie bei der normalen Asthmaerkrankung, chronische Entzündungen. Diese schädigen das Gewebe in Lunge, Luftröhre und Bronchien und führen zu den gleichen Symptomen.

    Dazu gehört auch, dass bestimmte äußerliche Einflussfaktoren das Risiko eines Asthmaanfalls erhöhen.

    Mögliche Faktoren sind:

    • Infektionserkrankungen
    • kalte Zugluft
    • körperliche Anstrengung
    • Kontakt mit allergenen Stoffen
    • Stress

    Wie bei Stillem Reflux, sind Personen von asthmatischen Beschwerden, die durch Sodbrennen verursacht werden, vermehrt nachts betroffen. Beim Schlafen in liegender Position kann die Magensäure wesentlich leichter aus dem Magen zurückfließen.

    Die Diagnose von Asthma durch Sodbrennen

    Oftmals sind die Beschwerden durch eine Schädigung der Lunge oder Luftröhre bedeutend akuter als die Auswirkungen der Säure auf Speiseröhre und Magen. Daher fällt es Ärzten häufig schwer, die Ursache für die Erkrankung von Anfang an richtig zu diagnostizieren.

    Meistens wird zunächst mit einer Behandlung der Entzündungen in der Atemwegsregion begonnen. Erst wenn diese Behandlung nicht den gewünschten Effekt erzielt, wird nach anderen Auslösern wie beispielsweise einer Refluxkrankheit gesucht.

    Um diesen Umweg zu vermeiden, ist es sinnvoll bereits zu Beginn der Asthmadiagnostik auch andere Faktoren in Betracht zu ziehen und eine Refluxerkrankung auszuschließen. Das ist über eine Magenspiegelung und eine 24-Stunden-pH-Metrie, bei der der pH-Wert in Magen und Speiseröhre gemessen wird, möglich.

    Die Behandlung von Asthma durch Reflux

    Die klassische Asthma-Therapie erfolgt über die Verabreichung von Kortison in Form von pulverartigen Medikamenten. Zusätzlich kommen auch kurzfristige Notfallmedikamente für den Gebrauch während eines akuten Asthmaanfalls zum Einsatz. Bevor jedoch mit der Behandlung begonnen wird, ist es wichtig, zunächst eine Refluxkrankheit auszuschließen.

    Manche Asthma-Medikamente enthalten Wirkstoffe, die eine entspannende Wirkung auf die glatte Muskulatur besitzen. Dazu gehört jedoch auch der untere Schließmuskel der Speiseröhre.

    Bei der Einnahme des Medikamentes in Pulverform durch Einatmen gelangen zwangsläufig auch kleine Mengen des Wirkstoffes in den Verdauungstrakt und beeinflussen so den Ösophagussphinkter. Dieser kann dadurch seiner Dichtungsfunktion nicht mehr ausreichend nachkommen und es fließt noch mehr Säure aus dem Magen zurück. Es entsteht ein Teufelskreis.

    Behandlung mit Protonenpumpen-Inhibitoren

    Wurde eine Refluxkrankheit festgestellt, so kann diese meistens sehr gut durch die Einnahme von sogenannten Protonenpumpenhemmern (Protonenpumpen-Inhibitoren) behandelt werden. Bezeichnet werden diese umgangssprachlich auch als „Magenschutz“.

    Diese Medikamente verringern die Bildung der Magensäure und reduzieren somit das Risiko des Säurerückflusses. Damit können auch die Atemwegsbeschwerden deutlich verbessert werden. Auch eine zusätzliche Ernährungsumstellung kann helfen, die Beschwerden zu lindern.

    In ganz besonders schwerwiegenden Fällen kann auch eine Operation sinnvoll sein, bei der der Mageneingang künstlich verengt wird. In jedem Fall müssen jedoch auch die Atemwegsbeschwerden weiterhin im Auge behalten und regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden. Eine bestehende Asthma-Erkrankung benötigt weiterhin eine geeignete und spezifische Therapie. Fachärzte für Sodbrennen sind im übrigen die sogenannten Gastroenterologen.

    Literatur & Quellen:

    Bilder: Emily frost  & Roman Zaiets | shutterstock.com